15.7.2017 - ab 18 h
Altes Kranwerk
Lutherstr. 10, 04683 Naunhof
9te Bandoniontage
Konzerte, Instrumentenausstellung, Kurse

$_57_klWährend Debatten über Tradition und Werte des Abendlandes geführt werden, ist das Bandonion ein gutes Beispiel für "zweifelsfreies" Halbwissen. Der besorgte Bürger verortet das Instrument Bandonion nach Argentinien bzw. dem Tango entspringend. Obwohl der Namensgeber Heinrich Band Krefelder war, der Ursprung des Bandonions liegt zwischen Chemnitz und Carlsfeld in Sachsen. Dereinst wurden dort zehntausende Instrumente gebaut. Heinrich Band erfand das Bandonion nicht im eigentlichen Sinne, er baute kein einziges Instrument selbst. Er regte als Instrumentenhändler lediglich an, die sächsische “56tönige Concertina” von Carl Friedrich Uhlig aus Chemnitz in ihrem Tonumfang zu erweitern. Wie Band gab es nach im noch viele Tüftler/Lehrer die am “System” bastelten, zu nennen wären Julius Zademack, Ernst Kusserow, Scheffler/Lpz, Charles Peguri, Philippe Manoury. Letztendlich setzten sich zwei Tonsyteme durch, in Sachsen das 144tönige Einheitsbandonion und in Argentinien die Rheinische Tonlage mit 142 Tönen. Die Namensgebung verliert sich in Spekulationen, aus “Bandunion”, “Bandaninos” wurde schließlich Bandonion. Es ging offensichtlich um die namentliche Abgrenzung, da die vorhandene Concertina, zu dieser Zeit auch Accordion genannt wurde.  In den Duden wird das Wort “Bandonion” erstmals 1929 aufgenommen, die spanische Schreibweise “Bandoneon” dann 1934. In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es in Deutschland mehr Bandonionvereine als Fussballclubs. Wenn man sich Fotos und Bildpostkarten aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts anschaut, fällt eines auf - es spielen nur Männer. Und sie spielten vor allem Heimatlieder, Operette, Walzer, Schlager, Shanties, Märsche. Freilich, die große Zäsur wurde durch den 2ten Weltkrieg gesetzt. Viele Krieger kamen nicht zurück, das Instrument ward den Witwen Vermächtnis. Ein kulturelles Erbe des Abendlandes schien erloschen.

a57_klDerweil verlieh das “Bandoneon” am anderen Ende der Welt dem Tango seinen typischen Klang. Bis 1948 vermutet man 30tsd. bis  50tsd. exportierte Bandonien aus Sachsen in die "neue Welt" Südamerikas. Der Tango rettete das Instrument vor dem Aussterben. Zwar immer noch Männerdomäne, doch auf einem Foto, schätzungsweise Ende der fünfziger Jahre in einem DDR-Kulturhaus entdeckt: zwei Frauen am Bandonion. Mittlerweile spielen Frauen wie Männer gleichermaßen dieses Instrument weltweit, dennoch überschaubar. Hier eine kleine Auswahl von Spielerinnen. Sehr beliebt bei Bandonistinnen sind Originalinstrumente von Ernst Louis und Alfred Arnold (vor 1948) in Oktavstimmung und Rheinischer Tonlage, zwei Damen spielen Klaus-Gutjahr-Instrumente. Aber vergleichen Sie selbst die klanglichen Qualitäten der Neuinstrumente aus Sachsen von Uwe Hartenhauer und der Bandonion- & Concertinafabrik

Female Bandoneonplayers from around the world
& hall of fame of the Bandoneon 142 II/II - made in saxony
(externe Linksammlung - Bild und Fotorechte liegen bei den jeweiligen Inhaberinnen oder deren Fotografen)

Kimiyo Ogawa_kl
Kimiyo Ogawa - Nippon (Japan)

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Karin Eckstein - Deutschland
 AA 142 rheinisch II/II

Nayla Danchuk
Nayla Danchuk - Argentina

Bettina-Hartl-Deutschland
Bettina Hartl - Deutschland
erw. Einheitsbandonion Gutjahr

Anne Ekholm Kirk Schweden
Anne Eckholm Kirk - Sverige

Eo jin Lee Korea
Eo Jin Lee - Korea

Carla Pugliese Argentinien
Carla Pugliese - Argentina

judith brandenburg
Judith Brandenburg - Deutschland

Aude Breson France
Aude Breson - France

Stine Helkjaer Engen Dänemark
Stine Helkjaer Engen - Danmark

Alet Klutenberg Niederlande02
Alet Klutenberg - Nederland

Sinai Rim
Sinai Rim - Korea

Koh Sang ji  Korea
Koh Sang Ji  - Korea

Helena Ruegg Italien
Helena Ruegg - Italia

Natsuki Nishihara Japan
Natsuki Nishihara - Nippon

Florencia Amenqual Spanien
Florencia Amenqual - España

Aneta Pajek
Aneta Pajek - Polska/D

Simone van der Weerden Niederlande
Simone van der Weerden - Nederland
154 II/II rheinisch Bandonionfabrik

Antje Steen
Antje Steen - Deutschland
152 rheinisch Gutjahr

Shanshan Liu
Shanshan Liu - China
rheinisch Hartenhauer

Judith Eigenmann04
Judith Eigenmann - Schweiz
148 Manoury Hartenhauer

marina-gayotto-argentinia
Marina Gayotto - Argentina

Fleurs Noires
Fleurs Noires - Arg./France -  Marion Chiron / Lousie Jallu / Ana Carolina Poenitz

Marion Chiron 2
Marion Chiron - France
Manoury Hartenhauer

Louise Jallu
Louise Jallu - France
142 II/II rheinisch Bandonionfabrik

Carolina Poenitz
Ana Carolina Poenitz - France/Arg?

Mercedes Krapovickas Argentinien
Mercedes Krapovickas - Argentina/Lietuva

Yvonne Hahn02
Yvonne Hahn - D/France
154 & 142 rheinisch Bandonionfabrik

Ana Escalada
Ana Escalada - Argentina

Merissa Mercade
Merissa Mercade - Argentina

Maggie Ferguson
Maggie Ferguson - Australia

Carla Algeri Argentinia
Carla Algeri - Argentina

Marie Theres Stickler
Marie-Theres Stickler - Austria
Chemnitzer Konzertina

nicht genannt
ungenannt - Mexiko

Sie steht stellvertretend für
die vielen nicht genannten
Bandonistinnen dieser Erde.

VIVA EL TANGO

Ieva
Ieva Žekevičiūtė - Kaunas Lietuva
AA 144 III/II Einheitsbandonion

 

WerkskapelleKONZERTABEND
15.7.2017 AKW Naunhof

   19.00 h Strassenmusik (Folk & Welt, Brettl)
Der Abend beginnt mit Bandonionstrassenmusik ab 19 h. Das “Brettl” hat sich gern der “Orgel des kleinen Mannes” bedient. Frei von den archaischen Vorgaben des Tangos, gibt es das Bandonion noch seltener als harmonisches Begleitinstrument zu hören. Die Wiederentdeckung des “Bandonion” in Pörschmannscher Spielweise (akkordführend) als “Folkinstrument”, ist dem Folk-Revival der siebziger-achtziger Jahre zu verdanken. Spieler wie Stefan Krawczik, Andreas Rohde (Kusserow), Frank Deutscher, Dieter Kalka, Jürgen B. Wolff (Konzertina) nutzen das Bandonion für ihre eigenwilligen Interpretationen außerhalb des Tangos.

 

   20.30 Uhr Yazzango (Konzert)
Das Duo Yazzango mit Karin Eckstein, Bandoneon und Bill Bergelt am Flügel verbindet in seinen Arrangements Tango, Jazz und folkloristisch geprägte Klassik zu einem eigenen Stil. Die Melancholie des Bandoneons, der perlende Klavierklang, professionelle Virtuosität und akzentuierte Rhythmik verschmelzen zu einem einzigartigen Klangerlebnis. yazzango A702Zudem präsentieren sich die Musiker als versierte Solisten. Karin Eckstein zeigt die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten des seltenen Instrumentes und erläutert auf unterhaltsame Weise den langen Weg des Bandoneons von Deutschland nach Argentinien und damit seine Metamorphose zur unverwechselbaren ‚Stimme des Tango Argentino’. Bill Bergelt, Komponist und Bandleader, besticht durch eigenständig-expressives Spiel. Das fürs Publikum Herausragende ihrer Darbietungen sind nicht nur das "kuriose" Tango-Instrument Bandoneon, sondern ebenso die große Bandbreite der verschiedenen miteinander verschmolzenen Stilarten. Auffällig hierbei: Die Zuhörer berichten nach Konzerten begeistert von völlig unterschiedlichen "Lieblingsstücken" aus dem Programm - der Tangofreund bevorzugt die Tangoseite, der Jazzfreund wohl die seine und so ist es auch mit dem Klassik- und dem Folklorefreund. Keiner aber fühlt sich durch die ihm eher ferneren Stilelemente befremdet. Sie interpretieren den traditionellen Tango und sie arrangieren Bartoks Eindrücke ungarischer Volksmusik neu. Im Ergebnis ist das ein stimmungsvoller Asado mit reichlich Paprika, ein Hauch vom Pampa und Puszta. Auch Ravel erscheint im neuen Gewand. In Solo-Passagen zeigen beide, dass jede(r) für sich ein Meister seines Fachs ist. Was sich dann im Duett zu völlig neuen Klangwelten erhebt. Was auf den ersten Blick gewagt klingt, kommt gut rüber. In eigenen Arrangements entwickeln Bergelt und Eckstein einen ganz eigenen, beinahe avantgardistischen Stil. Gefühlvoll und ausdrucksstark vereint sich die Expressivität des Flügels mit der rhythmischen Akzentuierung des Bandoneons zu einem feurigen Erlebnis. Musik mit „Drive” und vor allem mit jeder Menge Seele.

 

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Kostenbeitrag für Kunst & Kultur, Installation und baulicher Erhalt des Kranwerkes:
ermäßigt (Schüler/Stud.) 12,- €; normal 18,- €
Eintritt ab 18 Uhr
Kartenreservierung per Mail:
info@kranwerk.com
 

Konzertina & Bandonion
Kleines Exposé zur Genealogie des Instrumentes

Zu den Bandoniontagen werden unterschiedliche Bandonien, Konzertinas und andere Zungeninstrumente ausgestellt und hier erfährt man den Unterschied zwischen Bandonion und Bandoneon, was bedeutet Diatonik, Chromatik und Wechseltönigkeit. Was sind Chöre, Register, Kanzellen, Schwebung - also Dinge die man unbedingt wissen muss. Wer nunmehr das Verlangen spürt, dieses selten gewordene Instrument erlernen zu wollen, dem seien die zweitägigen Kurse für Fortgeschrittene (142tönig, Tango) oder der Grund- und Aufbaukurs (144tönig, Folk & Welt) empfohlen (Kursinfo).

 

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