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Programminfos
13.7.2019  - 16 bis ca. 23 h
AKW Naunhof  - Halle I

Die elften Bandoniontage im Alten Kranwerk bleiben international. Nur wird das diesjährige Thema sehr spannend. Hatten wir im letzten Jahr das Thema Frauen am Bandoneon, so wird dieses Jahr der Nachwuchs beleuchtet. Dazu können wir Euch eine Expertin vorstellen, die es wissen muss: Carla Algeri aus Buenos Aires ist die UNESCO-Beauftragte für den Erhalt des Tango resp. seinem Bandoneón.

Quo vadis Bandoneón - where is the next generation?

In Argentinien und anderen Ländern dieser Erde wird dieses Instrument leidenschaftlich verehrt. Die "Heiligkeit" des Bandonions ist in Sachsen völlig verloren gegangen. Der Kulturverlust ist den allermeisten Zuhörern gar nicht bewusst und spielt in der abendländischen Brauchtumspflege gerade einmal im Erzgebirgsraum eine historische Rolle.

Im Ursprungsland dieses Instrumentes Sachsen, gibt es meines Wissens vier Spieler, welche als Musiker damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Erstaunlicherweise übernimmt die globale Bandoneón-Community von Taipeh, Seoul, Tokio, Peking, Litauen, Finnland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Italien, USA und natürlich Lateinamerika den Erhalt dieses sächsischen Instrumentes. Der seidenweiche scharfe Ton des Bandoneóns hat sich in den besten Galahäusern dieser Erde etabliert.

Im Jahr 2009 wurde der Tango und sein Bandoneón immaterielles Weltkulturerbe, daran waren Sachsens Kulturministeriale nicht beteiligt, obwohl in Argentinien immer noch die mindestens achtzigjährigen sächsischen Instrumente spielen. Warum deren Erhalt so wichtig ist, begründet Frau Algeri so:

“...oder die Stimmen der Bomben der 1940er Jahre haben es zu Grabe getragen. Die Legierung der Metalle, aus denen jene Stahlzungen bestehen, die den unverwechselbaren Klang erzeugen, der uns als "Tango-Klang" erreicht, ist heute noch nicht reproduzierbar. Die Tuner und Restauratoren verschwinden in einer erbarmungslosen Unaufhaltsamkeit. Keiner von ihnen schafft es, das Geheimnis, der "Kommas del Sonido", der genauen Abstimmung eines "AA 142" zu erfassen! Aber jenes ist das Fundament der Tangomusik."   Zitat Carla Algeri

Bandonion und Kranwerk haben etwas grundlegend Verbindendes. Dasein, Überleben und gesellschaftliche Akzeptanz, welche nur aus Wahrhaftigkeit bar jeglicher kulturellen Subvention herzuleiten sind. Deshalb wird dieses Festival wieder etwas wirklich Besonderes in unserem Hause sein und ein Abbild des politischen Kulturprotegés und der Globalisierung darstellen, welche die tradierten Werte des Abendlandes außerhalb seines Ursprungs bewahren.

     17.00 h Strassenmusik   (Folk & Welt, Brettl)
Der Abend beginnt mit Bandonionstraßenmusik ab 16.30 h. Das “Brettl” hat sich gern der “Orgel des kleinen Mannes” bedient. Frei von den archaischen Vorgaben des Tangos, gibt es das Bandonion noch seltener als harmonisches Begleitinstrument zu hören. Die Wiederentdeckung des “Bandonion” in Pörschmannscher Spielweise (akkordführend) als “Folkinstrument”, ist dem Folk-Revival der siebziger & achtziger Jahre zu verdanken. Spieler wie Stefan Krawczik, Andreas Rohde (Kusserow), Frank Deutscher, Dieter Kalka, Jürgen B. Wolff (Konzertina) nutzen das Bandonion für ihre eigenwilligen Interpretationen außerhalb des Tangos.

Exhebition_kl02             Instrumentenausstellung
   “...
von der Konzertina zum Bandoneón”

Zwischendurch werden Raritäten der durchschlagenden Zunge, Konzertinas und Bandonions in verschiedensten Tonlagen (76, 104, 116, 128, 142, 144, Kusserow, Schlegel, Peguri, Symphonetta, Konzertinas) erklärt, geöffnet, bestaunt und immer wieder mit Klangbeispielen vorgestellt.

duo_amortal     18.00 Uhr (Konzert)    Bettina Hartl - Duo Amortal (D)
       'Unio Musica' - von Barock bis zur Gegenwart
Mit den Instrumenten Violine, Bandonion und mit Gesang konzertiert Duo Amortal in einer vielfältigen Mischung aus tänzerischen Ciacconas und virtuosen Triosonaten  der Barockzeit in Verbindung mit Tango Nuevo und französischer Filmmusik. Dazu kombiniert es seine Barockmusik auch mit der lebendigen und farbenfrohen Musik der irischen und keltischen Folklore. Im Zusammenwirken dieser ausgesuchten Genres schaffen die Musiker eine Synthese aus greifbarer Sinnlichkeit und ätherischer Transzendenz. Die Kombination dieser beiden Instrumente ermöglicht eine ungeahnte Klangvielfalt. Mit Hingabe, Leichtigkeit und Charme erklingen kraftvoll leuchtende Triosonaten von Bach, sinnlich entfesselte Klangkaskaden von Astor Piazzolla, magisch verzaubernde französische Filmmusik und mitreissende irische Folklore. Duo Amortal gastierte bereits mehrfach in der Philharmonie Berlin, im Gasteig München, im Theatre Municipal in Luxemburg u.v.m. Neben zahlreichen Tourneen innerhalb Europas war einer der Höhepunkte des Duos in erweiterter Formation auf internationaler Bühne eine Japan-Tournee im Jahre 2005. Das Duo hatte mehrere Produktionen u.a. mit dem Bayerischen Rundfunk, 2014 erschien ihre neueste CD.

 www.duoamortal.de           Tonbeispiel: www.youtube.com  
 
www.bettinahartl.de           Interview: www.duoamortal.de/im-gespraech.html

Guido_Gavazza       20.00 Uhr (Demonstration)
    
Guido Gavazza (Buenos Aires/Argentina)

Gewinner des AKW-Global-Award 2018

Guido gewann am 14.10.2018 unseren auf einer Youtube-Plattform ausgetragenen AKW-Global-Award “Bandoneon 2018” knapp vor Marina Gayotto ebenfalls aus Buenos Aires. Als Siegprämie war ausgelobt die Einladung zum diesjährigen Festival. Die Flugtickets sind gebucht, wir freuen uns Euch einen aussergewöhnlichen Nachwuchskünstler vorzustellen. Wir können hier in Deutschland, dem Ursprungsland dieses Instrumentes, keinen adäquaten jungen Spieler oder Spielerin vorweisen, obschon ein paar ganz wenige junge Menschen sich an das analoge Instrument heranwagen.

carla algeri _02             21.00 Uhr (Konzert )
      
Carla Algeri (Buenos Aires/Argentina)

Seit zwei Jahren stehen wir in Kontakt zu Carla. Schon letztes Jahr wollte sie zu den Bandoneontagen nach Naunhof kommen, doch kurzfristig verhinderte eine UNESCO-Einberufung ihr Kommen. In Buenos Aires engagiert sie sich vornehmlich für den Nachwuchs am Instrument. Selbstredend gastiert sie weltweit zu Konzerten und ist, als 2009 der Tango zum Weltkulturerbe erklärt ward, beauftragt worden diesen zu erhalten. Untrennbar sind für sie Bandoneon und Tango. Ich selbst musste mich mit dem Leiter des Bandoneonmuseums in Buenos Aires, Oscar Fischer, darüber disputieren, ob die Popularität des Tangos, so wie er heute existiert, dem Bandoneon verdankt oder ist es der Tango der das Bandoneon weiter am Leben erhält. Carla wird uns dazu sicherlich Auskunft geben können und als eine der versiertesten Spielerinnen des Männer/Machoinstrumentes darüber hinaus berichten, wie sie dazu kam, in diese Männerdomäne hineinzuspielen.

 

 

Kostenbeitrag für Kunst & Kultur, Installation und baulicher Erhalt des Kranwerkes:
ermäßigt (Schüler/Stud.) 22,- €; normal 18,- €
alle Konzerte - Eintritt ab 16 Uhr
Kartenreservierung per Mail:
info@kranwerk.com